Gedichte.eu Impressum    

Gedichte, Lyrik, Poesie

Mein blaues Buch
162 Bücher



Hermann Löns
Mein blaues Buch . 1. Auflage 1912



Die Varusschlacht

Der Herdrauch zog die Diele entlang,
Im Feuer schwehlte der Torf,
Und um das Feuer da saß im Kreis
Die ganze Jungmannschaft vom Dorf;
Sie hatten es alle vernommen,
Es ging von Haus zu Haus:
"Wülfke ist wieder gekommen,
Er gibt heute Abend eins aus!"

Und Wülfke, der griente und legte dann los:
"Na ja, das war schon ein Spaß,
Wenn's auch den römischen Kerls nicht so schien,
Denn scheußlich bekam ihnen das;
Was machten sie sich auch so mausig,
Uns ging die Geduld schließlich aus,
Na, und da, da ging's ihnen lausig,
Kaum einer fand wieder nach Haus.

"Na ja, wie das nun gekommen ist,
Das weiß ich nicht mehr so genau,
Ich trank am Abend gefährlich viel Bier
Und war am Morgen noch blau;
Es saß da auf so 'nem Dinge
Ein Kerl und machte sich breit,
Er hatte die Finger voll Ringe
Vor lauter Hoffährtigkeit.

"Na ja, der prahlte in einem weg,
Bloß daß ich kein Wort von verstand,
Ein Mann aus der Gegend, der meinte zu mir,
Er Hätt' uns Gesindel genannt;
Das wollt mir denn doch nicht recht passen,
Vor den Augen wurd's mir ganz rot,
Ich konnt es wahrhaftig nicht lassen
Und bölkte wie unklug: schlah' dot!

"Na ja, da ging die Geschichte denn los,
Mir wurde davon erst ganz dumm;
Wohin ich auch sah, fiel ein römischer Kerl,
Wie'n Schwein beim Schlachtefest um;
Da spuckt' ich denn auch in die Hände
Und kriegte mein Messer her,
Ein ganzes langes Ende
Weiß ich nun aber gar nichts mehr.

"Na ja, denn über- und überall
Da gings: schlah' dot, schlah' dot!
Und als ich wieder zu mir kam,
Mein Arm war bis obenhin rot;
Zum Kuckuck war mein Messer,
Da langte ich mir ein Schwert,
Das flutschte denn doch noch besser;
Es hängt da hinter dem Herd.

"Na ja, so ging's denn in einem fort,
Wir brachten sie schön auf den Trab,
Ich habe die Nase noch voll von dem Kerl,
Dem ich den Kälberfang gab;
Er tat man so blitzen und blinken
Vor Gold und Edelgestein,
Und nach Maiblumen tat er stinken;
Sie schmieren mit so was sich ein.

"Na ja, doch gegen die Melkezeit
Da wurd' mir ganz albern vor Durst,
Ob das von der hillen Arbeit nun kam,
Oder ob von der salzigen Wurst?
Da hab ich denn Wasser getrunken,
Wahrhaftig, als wie ein Stück Vieh,
Und das Wasser, das hat gestunken,
Solchen Kuhdurst hatt' ich noch nie.

"Na ja, das tat mir denn hinterher leid,
Denn im Lager war mächtig viel Wein,
Das Bier da zu Lande ist ja ganz schön,
Aber Wein ist noch einmal so fein;
Doch muß man sich erst dran gewöhnen,
Denn Kinder, ich sage euch bloß,
Ich wurde im Brägen das Dröhnen
Volle drei Tage nicht los.".

Er spuckte in das Feuer hinein
Und trank sein Warmbier aus,
Die anderen plinkten sich heimlich zu
Und gingen dann alle nach Haus;
Doch ehe sie abseits bogen
Zum Moor und nach der Haid',
Da hieß es: "Na, der hat gelogen
Nach der schweren Schwierigkeit!"


  Hermann Löns . 1866 - 1914






Gedicht: Die Varusschlacht

Expressionisten
Dichter abc


Löns
Mein blaues Buch

Intern
Fehler melden!

Internet
Literatur und Kultur
Autorenseiten
Internet





Partnerlinks: Internet


Gedichte.eu - copyright © 2008 - 2009, camo & pfeiffer

Die Varusschlacht, Hermann Löns