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Alfons Petzold
Der
Ewige und die Stunde . 1. Auflage 1912
Franz Schubert
Den Eltern meiner Frau.
Eine kleine, winzige Welt für sich
War die "Blaue Flasche" in Ottakring.
Der Garten, darüber ein Laubdach hing
Und mauerverliebt der Efeu schlich,
War voll von heimlicher Einsamkeit,
Fern allem Städtertratsch und Streit.
Wenn der Dämmer über die Schindeldächer
Der spielwürfelgroßen Häuschen sank,
Der Wirt sein riesiges Fürttuch schwang
Und für die liebsten seiner Zecher
Reinigte unter der Linde die Bank. -
Da kam - so dünn wie ein Federstiel -
Der Pfeifenschneider Herr Nawratil.
Dann - eine lebendige Vorrichtgabel -
Breitbeinig der Tischler Muckenschnabel.
Drauf - etwas lendenlahm und schief -
Herr Kapperl, Beamter im Kriegsarchiv.
Und weiters kam noch ein Dutzend daher
Von Wiens weintrotziger Bürgerwehr.
Die ließen sich alle für einige Stunden
Ruhe und trefflichen Alsegger munden.
Die Sterne stiegen vom Gelände
Des Kahlenberges in die Nacht,
Als Kapperl paschte in die Hände
Und sprach: "Jetzt hat der Suff ein Ende;
Es wird ein bissel Musik gemacht!"
Kaum hat er's ausgesprochen, saß
An dem Klavier ein kleiner Mann,
Der staunte unter'm Brillenglas
Sehr aufmerksam die Sterne an.
Dann hob er seine Hand ... und
..
Sang irgendwo ein gottverzückter Mund,
Der alle Schönheit seiner Himmel pries?
War es die Harmonie im Sternenrund,
Die ihre Töne fromm erklingen ließ?
Rauschte ein Bach nicht über eine Wehr
Und träumte sich schon in das ferne Meer?
Erklang nicht blütenfein die süße Weise:
"Geliebte du!"
Sang nicht ein Wanderer von ferner Reise,
Indes sein Schritt ihn trug der Heimat zu?
..
Kein Glas erklirrte - alles trank Musik,
Erschaute Tiefe und umblaute Höh'n ...
Nur Muckenschnabel brummte, schwer im Blick:
"Der Schubert-Franzl spielt heut wieder schön."
Alfons
Petzold . 1882 - 1923
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