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Anastasius Grün
Gedichte
. 1869
Der Granatbaum
Fern vom Granatenhaine
Steht ein Granatenbaum,
Er grünt und blüht ganz einsam
Hart an des Meeres Saum.
Und ob ihm aus der Erde
Auch Keim und Nahrung quoll,
Doch neigt er Stamm und Aeste
Zum Meere sehnsuchtsvoll.
Er spiegelt sich so gerne
Im klaren Wellenschein,
All' seine Blüthen und Blätter
Streut er in's Meer hinein.
Ach, was am meisten schade,
Die saft'gen Aepfel von Gold,
Es streut in's Meer sie alle,
Auf's Land nicht Einer rollt!
Dies Thun nimmt mich nicht Wunder
Doch wundert Eins mich, traun:
Daß man den Nutzenlosen
Nicht längst schon umgehaun. -
Seejungfraun haben die Blüthen
Froh ihren Locken gesellt,
Und spielen mit goldnen Aepfeln
Der lichten Oberwelt.
Anastasius
Grün . 1806 - 1876
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