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Arthur Fitger
Requiem
aeternam dona ei . 1. Auflage 1894
"Gestern abend war Vetter Michel da."
Nun lacht mir alle den Narren aus:
Er pilgert nach seiner Liebsten Haus
Seit Monden, seit Jahren unverdrossen
Durch Staub und Hitze, durch Regen und Schlossen
Zum Klostergässchen bei Sanct Anschar,
Zur Brücke, zum Thore. Du armer Narr,
Und immer bleibet dein Minnesold
Ein jämmerlich bischen Katzengold.
Du armer Narr! Geht träg und dumm
Des Färber's Gaul im Ring herum,
So musste zuvor man das Aug' ihm verbinden,
Sonst liess' er sich nicht so geduldig schinden,
Er schlüg' hintenaus oder würde ständ'sch.
Allein der gottergebene Mensch,
Der klarerkennende, hoffnungslose,
Der Selbstaufopferungsvirtuose,
Quält sich, seines Tretmühlenringes bewusst,
Gemächlich zu Tode. O pfeifende Lust
Der Gassenjungen! Er liegt, er verendet!
Ein wehmüthig Lächeln die Liebste spendet.
Arthur
Fitger . 1840 - 1909
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