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Hermann von Lingg
Schlußsteine
. 1. Auflage 1878
Der Brand von Moskau
In Moskau's altem Kaiserpalast
Hielt über besiegten Heeren
Der Weltbesieger endlich Rast.
Da sollt' ein Traumbild ihn belehren,
Wie Jeden noch würgte des Nordens Weib,
Wer je in Fesseln gelegt ihren Leib.
Weiß wie der Zobel, der ihn umwallt,
Am Fuß seines Lagers erhoben,
Erblickt er in Lüften die Riesengestalt,
Von des Nordlichts Funken umwoben.
Es weichen die Räume, es stürzt der Palast,
Vom Schneefeld sieht er sich umfaßt.
Sibiriens Wüsten, öd und kahl,
Die sonnenlos letzten der Zonen,
Umgeben ihn, und mitten ein Mal
Von Schwertern, Adlern und Kronen,
Schneeflocken werden der Hermelin,
Er sieht sich besiegt, und sieht sich fliehn.
Gepeitscht von Stürmen jagt hinter ihm her
Sein Heer mit Rossen und Wagen,
Die Sonne sinkt und nimmermehr
Beginnt es wieder zu tagen.
Da richtet sein Stolz sich auf, und es hallt
Sein Donnerwort an die weiße Gestalt:
"Kolossin des Nordens, eile nur zu
Dich mir entgegenzustemmen,
Brich meine Bande, doch wirst auch du
Der Völker Frühling nicht hemmen!"
Der Kaiser erwacht, schon dringt zu ihm ein
Von Moskau's Brande der Feuerschein.
Hermann
von Lingg . 1820 - 1905
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