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Schlußsteine
162 Bücher



Hermann von Lingg
Schlußsteine . 1. Auflage 1878



Die Götzen

Innen sind die Götzen Nacht,
Nacht und entsetzliches Grausen,
Wenn auch freundlich ihr Antlitz lacht,
Und ihre Priester herrlich schmausen.
Vor dem Lichte haben sie Scheu,
Wie das Raubthier, dem sie gleichen,
Innen sind sie brüllender Leu,
Gifthauch und verwesende Leichen.

Innen sind sie Finsterniß,
Jammer und heulende Klage,
Denn die richtende Nemesis
Hält so sicher und fest die Waage.
Keines der menschlichen Dinge soll
Ueber das Maß ihr gehen;
Wer ertrüg es und würde nicht toll,
Einzig über Allem zu stehen!

In dämonisch verzweifelter Wuth
Schritten ja Roms Tyrannen
Zitternd durch die Ströme Blut,
Die vor ihrer Mordlust rannen,
Denn sie ertrugen es nicht, so tief
Menschen unter sich zu schauen,
Während es über ihnen schlief
Im entgötterten Aetherblauen.

Alle die Götzen, sie sind nur Thon,
Alle noch sind gefallen,
Mocht' um ihren erlogenen Thron
Noch so laut der Jubel schallen,
Mochten ihre Mänaden toll
Jeden in ihrer Wuth zerreißen,
Der sich geweigert, zu leisten den Zoll
Ihrem Taumel und herrischen Gleißen.

Ach und wie jammert die thörichte Welt,
Wird ihr nun einer zerschlagen,
Einer der Götzen, und wird er zerschellt,
Den sie johlend umhergetragen,
Dem sie gewohnt war, jedesmal
Weihrauch, wenn er nickte, zu streuen;
Aber die Weiber und Knechte des Bal
Huldigen immer wieder Neuen!


  Hermann von Lingg . 1820 - 1905






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