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Hermann von Lingg
Schlußsteine
. 1. Auflage 1878
Friedrich der Große
nach der Schlacht bei Torgau.
Schon spät war's, als von Ziethens Reitern
Gewonnen ward die schwere Schlacht,
Das Dorf war voll von wunden Streitern
Und eisig die Novembernacht;
Der König ritt mit zwei Begleitern
Von Haus zu Haus. Halt! Aufgemacht!
Nein, rief er, nein bei meiner Treue!
Nicht ein Mann werde da beraubt
Des blut'gen Bettes auf der Streue,
Um Platz für eines Königs Haupt.
Den Schlüssel, Küster, zur Kapelle!
Dort nehmen wir Quartier. He, Licht!
Bald leuchtet am Altar die Helle;
Der Sieger denkt an seine Pflicht,
Und schreibt auf einem Stein der Schwelle
Wie Cäsar seinen Siegsbericht.
So ruhig wie im Kugelregen,
Wo Todesernte ringsum lag,
Führt Friedrich nun, wie erst den Degen,
Die Feder nach dem großen Tag.
Sodann schlief auf dem rauhen Brette,
Der König diese Nacht so gut
Als wie in einem Himmelbette;
Das Polsterkissen war sein Hut,
Ein Betstuhl war die Ruhestätte,
Wo sanft sein müdes Haupt geruht.
Hermann
von Lingg . 1820 - 1905
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