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Schlußsteine
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Hermann von Lingg
Schlußsteine . 1. Auflage 1878



Hekubas Klage

Hekuba, des Jammers Bild,
Ihren todten Enkel legend
In des tapfern Sohnes Schild,
Sprach, der Griechen Herz bewegend:
Führt mich nicht als Sklavin fort,
Laßt mich hier bei meinem Schatten,
Bei dem Schutte Trojas - dort
Laßt, o laßt mich ihn bestatten.

Lasset mich allein zurück,
Mich, den Schild und diesen Knaben,
Das ist Alles, was von Glück
Und von Größe wir noch haben,
Selbst der Schakal wird vorbei
Vor so großem Elend weichen,
Scheu vor meinem Klaggeschrei;
Lieber wird er fliehn zu Leichen.

Nehmt mich nicht zu Schiffe mit,
Nicht mein Weh, die schwerste Bürde!
Weil der Schmerz, den ich erlitt,
Bald euch zum Verderben würde.
Ja, mein Stöhnen würde sich
Ueber euch als Fluth erheben;
Lasset in der Oede mich,
Mich bei meinen Todten leben!

Wo ich Gatten, Reich und Thron,
Wo die Kinder ich verloren,
Wo der Theuren Hauch entflohn,
Die mein Unglücksschoß geboren,
Laßt mich unter Trümmern hier
Sitzen, ihrem Staub zu Füßen,
Bis die Adler ihre Gier
Am Geripp der Aermsten büßen.

Wie der Schaum den Felsen mißt,
Ueber den ihn streu'n die Wogen,
Also falsch ist, daß ihr's wißt,
Sterblichen das Glück gewogen;
Ueberhäufend wälzt es Gut
Dem aus Jenes Leidensfülle,
Und den Fluch, der nimmer ruht,
Wahrt es unter goldner Hülle.


  Hermann von Lingg . 1820 - 1905






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