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Hermann von Lingg
Schlußsteine
. 1. Auflage 1878
Jugurtha
Vergnügt durchfuhr den Tiberstrom,
Indem er allen Göttern dankte,
Jugurtha, wieder frei von Rom,
Durch das er jüngst in Ketten wankte.
Er blickt nun mehrmals ohne Wort
Zur Stadt zurück von seiner Fähre,
Dann ruft er: "nichts mehr gibt es dort,
Was nicht für Gold zu haben wäre.
Verklagt um Mord und Treuebruch
So kam ich her, und freigesprochen
Entkomm' ich jetzt durch deren Spruch,
Die ich betrogen und bestochen.
Ich schlug wie Hannibal die Schlacht
Mit Elephanten, doch die meinen
Belud ich statt mit Waffenmacht
Mit Ebenholz und Edelsteinen.
Bedeckten jene Morde nicht
Mit Purpur meine schwarzen Sclaven?
Wo wär in Rom noch ein Gericht
Nach solcher Sühne zu bestrafen!
Seht! Die das Schwert noch nie besiegt,
Die hat das Gold nun überwunden!
Das feile Nest, es unterliegt,
Sobald ein Käufer sich gefunden."
"Bluttriefender Numidier!" schrie,
Als riefs der Boden ungeduldig,
Ein Bettler am Gestade. "Sieh!
Mir gabst du nichts, ich sprech dich schuldig.
Wohl sinkt das hohe Rom zu Fall,
Doch schneller eilt noch dein Verhängniß,
Dir, schuld'ger Mann, ist überall
Die weite Welt nur ein Gefängniß!"
Hermann
von Lingg . 1820 - 1905
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