Gedichte.eu Impressum    

Gedichte, Lyrik, Poesie

Schlußsteine
162 Bücher



Hermann von Lingg
Schlußsteine . 1. Auflage 1878



Leichenverbrennung

Die Festigkeit, die Kraft in meinen Knochen
Böt' lang noch Trotz, im Sarg noch dem Vergehn,
Und würde doch zuletzt in Staub zerbrochen;
Laßt sie dem Feuer, laßt sie rasch verwehn!

Daß nicht den Leichnam das Gewürm noch schände,
Den Leib, das Bild, das eine Seele trug,
Laßt ihn verzehrt sein durch die Feuerbrände,
Und bei den Thränen ruhn im Aschenkrug.

Ob nun dies mein Bewußtsein durch die Sinne,
Nachdem das letzte dunkle Loos mich traf,
In Nichts dahinfließ', in das All zerrinne,
Versinke zu der Blumenseelen Schlaf.

Ob ihm bestimmt ist, endlos fortzustreben
Im Lichtkreis der Gedanken fort und fort,
Der Menschheit Jahresringe mitzuleben,
Und reich' es bis in jene Sphären dort!

Wie sich entfesselt von dem Erdenbande
Der Geist stürzt jubelnd in den Geisterstrom,
So sei vernichtet von dem Feuerbrande
Dem All geweiht der Leib, das Staubatom!


  Hermann von Lingg . 1820 - 1905






Gedicht: Leichenverbrennung

Expressionisten
Dichter abc


Lingg
Schlußsteine

Intern
Fehler melden!

Internet
Literatur und Kultur
Autorenseiten
Internet





Partnerlinks: Internet


Gedichte.eu - copyright © 2008 - 2009, camo & pfeiffer

Leichenverbrennung, Hermann von Lingg