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Schlußsteine
162 Bücher



Hermann von Lingg
Schlußsteine . 1. Auflage 1878



Odin und die Nornen

Ueber des Chaos noch ruhenden Wogen
Saßen um Odin die webenden Drei,
Und die Geschicke die künftigen zogen
An den gewaltigen Thronen vorbei.

Alles Verhüllte, noch Ungeword'ne
Schaute der Gott in leuchtendem Traum;
Ob er gestaltend zu Formen es ordne,
Wog er die Zeit und maß den Raum.

Aber die Nornen sie spannen und woben
Seine Gedanken zu Wirklichkeit;
Siehe, was glänzte da funkelnd oben
Plötzlich im Schoße der Dunkelheit?

War der Stern der Liebe gekommen?
Schon bei seinem ersten Strahl
Rauschte das dämmernde Meer erglommen,
Brauste das schweigende Felsenthal.

Doch mit Schmerz und erhobenem Zorne,
Aus dem vergessenden Sinnen erwacht,
Sprach der Vater der Dinge zur Norne:
Unglücksel'ge was hast du vollbracht?! -

Siehe! sie werden, die Wesen entstehen,
Jammer und Elend und Klage beginnt,
Wehe, nun soll mir Alles vergehen,
Was dein verwirrender Faden entspinnt:

Täuschung nur bringen die flüchtigen Stunden,
Bang nur von jenem Stern erhellt,
Bis du den Faden wieder gefunden,
Den ich ersann, zu vollenden die Welt!


  Hermann von Lingg . 1820 - 1905






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