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Schlußsteine
162 Bücher



Hermann von Lingg
Schlußsteine . 1. Auflage 1878



Winter im Gebirg

Verklungen sind die holden Schwüre,
Die hier gar oft der Mond belauscht,
Statt Flüstern vor der Kammerthüre,
Ist's nur der Brunnen, der da rauscht.
Wo keine Schöne kalt geblieben,
Ward ihr gebracht ein Edelweis,
Wo wir den Kahn ans Land getrieben,
Knarrt nächtlich aufgeschreckt das Eis.

Und auch die Felder sind gefroren,
Der Wald, in dem man sich erging,
Wo man im Pfänderspiel verloren,
Und einen Kuß dafür empfing;
Der Schnee bedeckt die Spur der Kohlen
Wo Freudenfeuer hell geglüht,
Wo Primeln und wo Bergviolen
Am schönsten Busen einst geblüht.

Der Frühling wird sie wieder bringen;
Bald tost der Föhn und löst den Schnee,
Nur dich hört niemals wieder singen
Das Felsthal und der grüne See.
In dieser Berge dunklen Rahmen
Wie schienst du hell das Bild dazu!
Ihr Echo ruft mir deinen Namen,
Sonst aber sind sie still wie du;

Und auch wie du vom Lilienkleide
In tiefem Schlummer zugedeckt,
So fern der Welt und allem Leide,
Von keinem Lebenshauch geweckt.
Nur etwas schwebt wie sanfte Klage
Um diese Höhn, so still und rein:
Sie schließen meine schönsten Tage,
Die Rosen meiner Jugend ein.


  Hermann von Lingg . 1820 - 1905






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