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Rudolf Presber
Aus
Traum und Tanz . 1. Auflage 1908
Im Volkston
Manch Mädel tät' ich umfassen -
Die Veilchen duckten im Wind.
Manch Mädel hab' ich verlassen -
Wohin sie kommen sind?
Ich tät' nach ihnen nicht fragen,
Sie fragten nicht nach mir;
Da war kein Weinen und Klagen -
Wie jung doch waren wir!
In Baden, in Preußen, in Hessen,
Ach, wer noch alle wüßt'!
Wir hatten's lachend vergessen,
Wie heiß wir uns geküßt.
Von dreien nur, von dreien
Träumt manchmal noch mein Schlaf;
Ich glaub', daß ich im Maien
Sie bei der Linde traf.
Die Muter - es war schon so späte -
Ruht' sanft beim alten Herrn;
Die Liese, die Grete, die Käthe,
Die hatten mich gar so gern.
Die eine blickt' diabolisch
Aus dunklem Augenpaar,
Die zweite war melancholisch
Und hatte so goldenes Haar.
Der dritten aber, der dritten,
Der flogen die Locken im Wind;
Sie konnte so herzig bitten
Und war noch ein halbes Kind.
Die Grete, die Käthe, die Liese,
Wo dicht die Hecken stehn,
Ich sah sie über die Wiese
Wieder wie damals gehn.
Wie Rosen im roten Kelche
Blühen sie - eins, zwei, drei;
Ich wußte wieder nicht welche,
Und schlich mich wieder vorbei.
Rudolf
Presber . 1868 - 1935
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