Gedichte.eu Impressum    

Gedichte, Lyrik, Poesie

Aus Traum und Tanz
162 Bücher



Rudolf Presber
Aus Traum und Tanz . 1. Auflage 1908



Meine Osterfeier

Was soll ich alter Knabe feiern -
Ward mir nicht grau und kahl die Welt?
Ein Körbchen bloß mit bunten Eiern
Hab' ich auf meinen Pult gestellt.
Ein Körbchen wie's die Kleinen tragen,
Grob, strohgeflochten und gering,
Ein Körbchen, wie's vor Jahr und Tagen
An meinem Kinderarme hing.
Und zwischen Bronzen thront's und Vasen,
Als hätt' es eignen Wert und Rang.
Und es erzählt von einem Hasen,
Der vor mir durch den Garten sprang ...

Und es erzählt von einer trauten
Und lieben Hand, die mich geneckt
Und tief in zart begrünte Stauden
Das bunte Hasenei versteckt;
Und es erzählt, wie ich gefunden
Das Wunder, tief ins Land gebückt;
Und jubelt mir von Frühlingsstunden,
Die mir das kleine Herz entzückt,
Und führt mich auf den alten Wegen
Durch rauhe Jahre heimatwärts,
Und schlingt den alten Frühlingssegen
Mir um das müde Träumerherz ...

Ich weiß es: frohe Feierkunde
Legt um die Christenwelt das Band;
Es sprang in dieser heil'gen Stunde
Ein Felsengrab im Morgenland.
Die Engel sahen ihn entsteigen
Der kalten Gruft und neigten sich,
Und bangen Zweiflern wird er zeigen,
Das Nagelmahl, den Lanzenstich.
Ein Schein wird seine Stirn umblitzen,
Die gestern wund und todesmatt;
Und auf dem Ölberg wird er sitzen
Und schauen nach der heil'gen Stadt.

Ich weiß es: Wunsch und Hoffnung ranken
Sich um dies Fest des Auferstehns,
Und ängstlich klammern die Gedanken
Sich an den Trost des Wiedersehns;
Und jede Blume, die entglommen
Dem grauen Land und Düfte streut,
Verbürgt dem Aug' ein Wiederkommen
Und predigt die Unsterblichkeit.
Weh dem, der, wenn die Knospen treiben,
Die Welt mit karger Weisheit schreckt:
Daß unsre Toten liegen bleiben,
Wenn unser Herz sie nicht erweckt! ...

Ich will auf meine Weise feiern
Und werben um des Lenzes Huld;
Ein Körbchen bloß mit bunten Eiern
Steh' österlich auf meinem Pult.
Ein Körbchen, wie's die Kleinen tragen,
Grob, strohgeflochten und gering,
Ein Körbchen, wie's vor Jahr und Tagen
An meinem Kinderarme hing.
Und die zu früh mir, ach, entschwanden,
Die mit mir spielten froh im Hag,
Die feiern, lächelnd auferstanden,
Mit mir den jungen Ostertag.


  Rudolf Presber . 1868 - 1935






Gedicht: Meine Osterfeier

Expressionisten
Dichter abc


Presber
Media in vita
Dreiklang
Spuren im Sande
Aus Traum und Tanz
Und all' die Kränze ...
Aus zwei Seelen

Intern
Fehler melden!

Internet
Literatur und Kultur
Autorenseiten
Internet





Partnerlinks: Internet


Gedichte.eu - copyright © 2008 - 2009, camo & pfeiffer

Meine Osterfeier, Rudolf Presber