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Aus Traum und Tanz
162 Bücher



Rudolf Presber
Aus Traum und Tanz . 1. Auflage 1908



Morgen

Ich saß am Pult mit ernsten Mienen
Und dachte fernen Sommern nach,
Als durch die weißen Tüllgardinen
Ein goldig-zartes Leuchten brach.

Da hoben sich die grambeschwerten,
Die müden Augen, schnell geheilt
Vom lieben Gruß der Langentbehrten,
Der Sonne, die die Wolken teilt.

Das ist kein wilder Freudenbringer,
Kein heißer, goldner Quell der Lust;
Wie eines Arztes kühle Finger,
Legt es sich freundlich auf die Brust.

Das ist ein still geheimes Glimmen,
Wie eines Frühlings Wiederkehr;
Ein Echo längst verhallter Stimmen
Klingt's wie aus fernen Tälern her.

Und Träume, die im Schmerz entschliefen,
Und Wünsche, die in Qual verhaucht,
Steigen aus heil'gen Herzenstiefen,
In der Erinnerung Gold getaucht.

Und Kinder wandeln durch die Ähren
Und pflücken Mohn mit kleiner Hand,
Als ob sie nie gestorben wären,
Da man die gelben Garben band ...

So gießt in kühlen Sommerspenden
Ins Herz der Herbst ersehnte Ruh
Und schließt mit seinen goldnen Händen
Die alten bösen Wunden zu.


  Rudolf Presber . 1868 - 1935






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