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Rudolf Presber
Aus
Traum und Tanz . 1. Auflage 1908
Oktobertag
Der Rosen rote Wangen
Sind schon im Sturm verblaßt,
Die letzten Früchte hangen
Am regenschweren Ast.
Die müden Nebel gleiten
Wie Schlangen um dein Haus
Und welke Blätter breiten
Den bunten Teppich aus.
Und trübe Lieder singen
Von Abschied und Verzicht ...
Du sahst die Knospen springen,
Mein Herz, vergiß es nicht!
Nun wallt durch nackte Bäume
Bald mit des Sturmes Flug
Gespensterhafter Träume
Verwehter Schattenzug;
Und fahle Flämmchen irren
Wie Tänzer durch den Tann.
Du hörst die Scheiben klirren,
Und Frösteln schleicht dich an.
Was bleibt von all den Dingen,
Die reich der Sommer flicht? ...
Du sahst die Knospen springen,
Mein Herz, vergiß es nicht!
Vergiß nicht, was im Triebe
So wunderlieblich sproß:
Die Veilchen und die Liebe
In deiner Träume Schloß.
Und such in altem Briefe
Der teuren Hände Spur -
Dir wird's zu Sinn als schliefe
Die tote Liebe nur;
Als könnt' dein Kuß sie zwingen,
Daß sie erwacht und spricht:
Du sahst die Knospen springen,
Mein Herz, vergiß es nicht!
Rudolf
Presber . 1868 - 1935
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