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Rudolf Presber
Aus
zwei Seelen . 1. Auflage 1914
Heimkehr des Schiffbrüchigen
Ich habe in drei Jahrzehnten
Ein einsames Eiland bewohnt,
Wo lautlos die Tage sich dehnten,
Im Wechsel von Sonne und Mond.
Die Tiere kamen gekrochen
In meine Einsamkeit -
Ich habe kein Wort gesprochen
In all der langen Zeit.
Ich hab' nichts Böses geredet,
Verwildert und pelzbehängt;
Und keiner hat mich befehdet,
Und keiner hat mich bedrängt.
Dort lebt beim Sang der Wogen
Kein Sklave und kein Despot -
Und keiner hat mich betrogen,
Und keiner hat mich bedroht ...
Weh' mir, daß ihr mich entführtet
Aus meiner schweigenden Welt,
Die alten Feuer mir schürtet
Und mich den Menschen gesellt!
Weiß Gott, sie sind noch die Alten!
Sie mühn sich ohn' Unterlaß;
Sie tragen die Stirne voll Falten,
Sie tragen die Herzen voll Haß.
Sie lachen und sie gaffen,
Wenn strauchelnd der Nachbar fällt;
Sie schmieden zum Mord sich die Waffen
Und teilen räubernd die Welt.
Und was ihre Herzen stärkte,
Ist Zorn und Wut und Neid.
Geräuschvoll sind ihre Märkte
Und roh, wie in alter Zeit.
Dasselbe Gewühl und Rumoren,
Derselbe Lärm und Gestank -
Es macht mir Nase und Ohren
Und Hirn und Seele krank.
Dasselbe Gekeif' und Gewinsel,
Derselbe Kniff und Pfiff - - -
Wann geht nach meiner Insel,
Ihr Herren, wieder ein Schiff? ...
Rudolf
Presber . 1868 - 1935
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