Gedichte.eu Impressum    

Gedichte, Lyrik, Poesie

Und all' die Kränze ...
162 Bücher



Rudolf Presber
Und all' die Kränze ... . 1. Auflage 1911



An das Meer

Ich bin durch leuchtende Rosen gegangen
Und rührte der Gletscher eisige Wand,
Ich sah die goldnen Limonen hangen
In blühenden Südens Sommerland;
Sah Buchenkronen im Lenzwind sich neigen,
Die herbstliche Heide im Abendschein,
Und ging durch Reben die Schiefersteigen
Zu efeuumsponnenen Burgen am Rhein ...
Doch wenn der Sturm mir die Brust durchtoste
Und wurde das Herz mir müde und schwer,
Wie sehnt' ich mich dann nach deinem Troste,
Nach deiner Schönheit, ewiges Meer!

Nun stand ich am Strande, nun sah ich dich wieder
Und fand meinen Frieden, ich hab' es gewußt -
Du sangest die uralten Wiegenlieder
Der Menschheitssehnsucht mir tief in die Brust.
Es wühlte dein Wind, der staubbefreite,
Mir frisch vom Osten um Stirn und Haar -
Kein irdischer Schwätzer an meiner Seite
Und in mir nichts, was kleinlich war;
Nichts, was mich niederzwingen konnte,
Nichts, was mich eng in Fesseln schlug -
Und mit meinen Träumen am Horizonte
Der weißen Segel strahlender Flug.

In deiner Tiefe fühl' ich wohnen
Des Unerforschten heilige Ruh' -
Es tragen deine weißen Kronen
Mir Grüße ferner Welten zu.
In deinen ew'gen Melodieen
Klingt aller Kämpfe Ziel und Sinn;
Wie Gottes Mantelsäume ziehen
Die goldnen Wolken drüber hin ...
Ich darf in kühlen Schauern fassen,
Was aller Pilger letztes Los -
Und Menschenlieb' und Menschenhassen
Versinkt in deinen feuchten Schoß.


  Rudolf Presber . 1868 - 1935






Gedicht: An das Meer

Expressionisten
Dichter abc


Presber
Media in vita
Dreiklang
Spuren im Sande
Aus Traum und Tanz
Und all' die Kränze ...
Aus zwei Seelen

Intern
Fehler melden!

Internet
Literatur und Kultur
Autorenseiten
Internet





Partnerlinks: Internet


Gedichte.eu - copyright © 2008 - 2009, camo & pfeiffer

An das Meer, Rudolf Presber