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Rudolf Presber
Und
all' die Kränze ... . 1. Auflage 1911
Der ferne Hügel
Ach, wie hoch dich auch der Flügel
Aufwärts trägt zum Firmament,
In der Tiefe liegt ein Hügel,
Den noch deine Sehnsucht kennt;
Der noch mit vertrauten Grüßen
Seine blauen Veilchen hegt;
Der von kleinen, kleinen Füßen
Noch die schmalen Stapfen trägt.
Wenn die Knospen rings erwachen
Und der Quell tanzt eisbefreit,
Auf dem Hügel schläft ein Lachen
Noch aus deiner Kinderzeit.
Aus dem Schatten seiner Bäume
Flogen, leicht und unerschlafft,
Höher deiner Kindheit Träume
Als die Speere deiner Kraft.
Heißer konnte kein Entzücken
Die gestählte Brust durchwehn,
Wie du einst vom Hügelrücken
In das junge Land gesehn.
Keiner Pflichten Bande schnürten
Deine Wünsche, lustgeschwellt -
Tausend Blumenwege führten
In die unbekannte Welt ...
Und dein Geist in Siegesstunden,
Ach, ein ruheloser Gast,
Hat den Weg zurückgefunden,
Den du längst verlassen hast.
Und du sahst den Abend glimmen,
Spürt'st der Heimat würz'gen Hauch;
Deiner Kindheit liebste Stimmen
Lockten dich aus Busch und Strauch.
Und du ahntest, daß ein Hafen
Liege unter Gras und Stein - -
Wenn die letzten Wünsche schlafen,
Wirst du dort willkommen sein;
Wirst nach letzten müden Siegen,
Wenn der Friede eingetauscht,
In der Hut der Bäume liegen,
Die den Knabentraum durchrauscht ...
Rudolf
Presber . 1868 - 1935
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