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Rudolf Presber
Und
all' die Kränze ... . 1. Auflage 1911
Heimkehr aus dem Süden
Nächtens durchs Gebirg gefahren
Bin ich grämlich heimatwärts;
Und der Glanz von wunderbaren
Wassern zittert noch durchs Herz.
Tief in den Orangengärten
Wandelt noch mein Träumerfuß;
Und von lachenden Gefährten
Hört' ich welschen Abschiedsgruß.
Halb im Schlummer sah ich baden
Blaue Berge sich im See,
Und im Klang von Serenaden
Lockte altes Liebesweh.
Und der Sterne goldne Brücke
Führt' in blaue Himmel tief -
Und ich zürnte dem Geschicke,
Das mich schon zum Norden rief.
Als ich dann in Morgenfrühen
Übern Paß den Weg gewann,
Sieh, da hob ein zartes Blühen
Auch in deutschen Landen an.
Jungbegrünte Erlen wanden
Schwankes Gitter um den Steg,
Und wie weiße Jungfern standen
Apfelbäume rings am Weg.
Kleine Bäche sah ich fließen,
Klar und munter war ihr Lauf;
Und in schmucken Häuschen stießen
Mädchen just die Läden auf.
Durch die Äcker allenthalben
Blitzte silbern schon der Pflug;
Heimgekehrte kleine Schwalben
Übten ihren Schaukelflug.
Und im ersten Sonnenfeuer
Grüßt' ich, was ich einst verehrt,
Wie ein schlimmer Ungetreuer,
Der in Reue wiederkehrt.
Und mein Herz, das morgenwarme,
Fühlt' der alten Liebe Lohn,
Als ob zarte Blütenarme
Winkten dem verlornen Sohn.
Und wie ferne schöne Sage
Schwamm es mir im Nebel hin,
Holdes Träumen träger Tage ...
Heil, daß ich in Deutschland bin!
Heil der Heimat Blütensegen!
Heil dem Lande, das mich trug!
Und ich will die Hände legen,
Wie die Brüder, an den Pflug.
Rudolf
Presber . 1868 - 1935
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