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Gedichte, Lyrik, Poesie

Media in vita
162 Bücher



Rudolf Presber
Media in vita . 1. Auflage 1902



"Er"...

Wenn heiß das Glück mir Herz und Wang' entfacht,
Dann hab' ich heimlich oft an ihn gedacht...

Mir schien's, als ob ein blauer See sich breite,
Den still, dem Schwane gleich, mein Boot durchgleite.
Ein blühend Land begrenzte fern die Wogen,
Von dem die Düfte sanft herüberzogen,
Auf dem der Morgensonne Segen lag.
Es war ein sehnsuchtsvoller Frühlingstag - - -

Doch vor mir, weit, auf lichten Wasserwegen
Kam mir ein schwarzer Punkt - ein Kahn entgegen.
Es hing das dunkle Segel schlaff und lahm,
Und dennoch sah ich, wie es näher kam,
Wie's sicher schwebend auf den Wassern glitt,
Doch keine Furche in die Fläche schnitt.
Und als ich schützt' mein Auge mit der Hand,
Gewahrt' ich, daß ein Mann am Maste stand.
Blaß war sein Antlitz, aber wunderbar
Von Glanz sein Auge. In dem dunklen Haar,
Das auf die Schultern fiel wie schwarze Schlangen,
Sah ich den Mohn im roten Glanze prangen.

Sein Auge sucht. Jetzt hat er mich gewahrt.
Und ganz von selbst verlangsamt sich die Fahrt
Des schwarzen Kahns. Ein heis'rer Vogelschrei -
Da biegt es aus und gleitet still vorbei.
Als schwarzer Punkt zergeht's am Horizont...
Still liegt das Wasser, friedlich, hell besonnt;
Der Fische Spiel huscht silbern durch das Meer
Und Kinderlachen jauchzt vom Ufer her...

Mir aber glüht durchs Herz wie Feuerbrand
Der Blick des Bleichen, der am Maste stand.
Der starre Blick, der segnet nicht noch flucht,
Der warnend nur des Lebens Kinder sucht.

Wohl schwamm er hin für dieses Mal; doch währt
Sein Gruß im Herzen, wenn er weiter fährt.
Ich weiß, daß er nicht planlos schweift und irrt,
Daß er noch einmal mir begegnen wird.
Sei's lichter Tag, sei's, daß im Nebel schwinden
Der Nacht Gestirne schon - er wird mich finden!
Dann schweigt's am Ufer, schweigt der Vogelschrei
Hoch in der Luft - dann fährt er nicht vorbei;
Dann drängt sein Boot an meins die schwarze Last;
Und langsam löst der Bleiche sich vom Mast,
Und schweigend steigt er über in mein Boot
Und fährt mit mir nach Haus - der gute Tod...


  Rudolf Presber . 1868 - 1935






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