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Rudolf Presber
Media
in vita . 1. Auflage 1902
An Ohm Krüger
Im Aug' durchwachter Nächte Brand,
Im weißen Bart, mit fahlen Wangen,
Ein ernster Gast aus blut'gem Land,
Bist du an uns vorbei gegangen.
Ach, daß dich unser Herz versteht
Und deiner Blicke stumme Bitte, -
Auf weiter Meerfahrt dein Gebet
War das in schwankender Kajüte.
Daß neugestützt der Freiheit Baum,
Den frech der Fäller fast bezwungen,
Das hat bis tief in deinen Traum
Der Ozean dir vorgesungen.
Vom Throne dess', der richtend sitzt,
Rief dir ein Engel lichtumflutet:
"Ein Volk, das seinen Herd beschützt
So treu, hat nicht umsonst geblutet.
"Such' deines Bruders starke Hand,
Der läßt dir nicht dein Letztes rauben -
Die Küste sieh! ... Trag stolz ans Land
Dein Recht und deinen Kinderglauben!"
Nun ward dein Glaube und dein Recht
Ein Tand, mit dem die Kinder spielen ...
Dir ist so weh wie im Gefecht,
Drin deine blonden Enkel fielen.
Die Großen haben sich gewandt;
Die Mächt'gen dreh'n dir kühl den Rücken -
Doch sieh, das Volk will dir die Hand
Zu stummem, trotz'gem Mitleid drücken.
Wo einst dir Gunst und Trost gedieh,
Weht heut' ein Hauch, ein eisigkalter -
Sieh her, so beugen wir das Knie
Vor deinem Leid und deinem Alter.
Sieh, wie die Liebe dich umschwillt,
Und hör' die Besten grollend klagen,
Wenn sie zu Grab' auf blut'gem Schild
Die Freiheit deines Landes tragen!
Rudolf
Presber . 1868 - 1935
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