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Rudolf Presber
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in vita . 1. Auflage 1902
Die Helden des "Iltis"
Wild rast der Sturm an Chinas Küste
Aus grauer Nebel Hinterhalt;
Er hat die gelbe Wasserwüste
Zu flüchtigem Gebirg geballt.
Es stampft das Schiff; in allen Bohlen
Ächzt's wie ein Tier in Todesqual,
Und bei des Sturmes Atemholen
Schießt es vom Berg zum Wellental.
Vor sich den Fels, den Sturm im Rücken...
Er legt das Fernrohr aus der Hand
Und steigt von der Kommandobrücke -
Zum letzten Male Kommandant!
Auf dort den glatten Felsenkanten
Läßt sinnend er das Auge ruhn.
Er kennt sein Schicksal: Er wird stranden
Und untergehen im Taifun.
"Schart euch um mich! ... Wir sind verloren,
Hier hilft nicht Anker, Segel, Tau;
Den wir so oft heraufbeschworen,
Der Tod hält seine letzte Schau.
Kein Seufzer grüß', kein banger, leiser
Zum letztenmal die schöne Welt:
Ein donnernd Hoch dem deutschen Kaiser!
Und, Kinder, dann - wie's Gott gefällt!"
Und mitten durch der Stürme Tosen
Und durch der Wogen weißes Heer
Tönt aus den Kehlen der Matrosen
Ein letztes Grüßen übers Meer,
So kräftig, wie in frohen Tagen
Es einst daheim beim Becher klang ...
Ein Ruck - - ein Sturz - - die Wellen schlagen
Zusammen über Schiff und Sang - - -
Wir sah'n euch nicht für immer scheiden,
Wir senkten euch nicht still hinab,
Der Schatten deutscher Trauerweiden
Fällt nicht auf euer Heldengrab.
Das Meer, dem ihr die Kraft gegeben,
Gab tief im Grund euch nun die Ruh',
Und über eure Leichen schweben
Die Schiffe eurer Heimat zu.
Kann Liebe nicht zum Grabe wallen,
Als letzten Gruß den Kranz zu weih'n,
So soll ein Held, im Kampf gefallen,
Im Herzen uns unsterblich sein.
Dess' Ruhm erlischt nicht auf den Lippen,
Der als ein Stolz der Mutter schied,
Dem an der Fremde öden Klippen
Die Woge singt das Sterbelied.
Und preisen sollen frohe Töne
- Ob auch die frische Wunde brennt -
Daß noch die Jugend solcher Söhne
Germania ihr eigen nennt.
Wir fürchten keines Feindes Tücken
Und bieten Trotz der Stürme Weh'n,
So lang auf den Kommandobrücken
Noch Helden euresgleichen stehn!
Rudolf
Presber . 1868 - 1935
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