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Rudolf Presber
Media
in vita . 1. Auflage 1902
Im Herbst
Du fand'st es in Büchern und glaubtest es nicht,
Das Lied vom Scheiden und Meiden;
Und jetzt, da der Herbstwind die Rosen bricht,
Jetzt zuckt es dir leis um das bleiche Gesicht,
Und du träumst in die dämmernden Weiten.
Du träumst vom Lenze, von Lust und Scherz,
Von leuchtenden Sommertagen,
Du junges, du tapferes Menschenherz,
Lerne des Abschieds bitteren Schmerz,
Lerne den Herbst ertragen.
Der Wind, der in schmeichelnden Wellen dir weht
Sanft durch die lock'gen Haare,
Der Wind ist's, der ihm jetzt die Segel bläht,
Ihm, der auf dem Meer in die Ferne geht
Auf Monde, vielleicht auf Jahre.
Bei fernen Völkern im sonnigen Süd',
Wo Kampf ihn und Freuden erwarten,
Bewahrt er den Duft wohl in treuem Gemüt
Von roten Rosen, die glühend erblüht
Bei dir im nordigen Garten?
Du fand'st es in Büchern und glaubtest es nicht,
Das Lied vom Scheiden und Meiden -
Und jetzt, da der Herbstwind die Rosen bricht,
Jetzt zuckt es dir leis um das bleiche Gesicht,
Und du träumst in die dämmernden Weiten.
Rudolf
Presber . 1868 - 1935
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