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Rudolf Presber
Spuren
im Sande . 1. Auflage 1906
Rudolf Baumbach
Nun ist verrauscht die letzte Welle,
Du Zecher, fröhlich und gelahrt;
Nun bist du, fahrender Geselle,
Am Ende deiner Wanderfahrt.
Und bei den Humpen der Poeten
Der deine bis zur Neige leer -
Du hast den Heimweg angetreten:
Im Becher keinen Tropfen mehr.
In eines Fahrenden Gewande
Zogst du in goldner Frühe aus,
Brachtst aus dem deutschen Märchenlande
Uns taufrisch deinen Blumenstrauß.
Und haben dich gezaust die biedern,
Die neunmalweisen Kritici,
Uns schläft in deinen leichten Liedern
Der Jugend goldne Melodie!
Es glänzt daraus wie Becherschwingen,
Wie Mädchenlachen klingt es drein,
Durch bunte Mützen funkeln Klingen,
Und von da drüben rauscht der Rhein...
Und huschen Pärchen im Umfassen
Im Schatten alter Giebel her,
Ein Lied, dein Lied klingt durch die Gassen -
Du Fahrender, was willst du mehr?
So lächle lustig von dort oben,
Wenn hinter dir der Nörgler hinkt,
Und wenn sie Nüchterlinge loben,
Die keiner liest und keiner singt.
Und wenn du müde heimgefunden,
Dein Ränzel schon geborgen hast,
In deines Volkes frohsten Stunden
Bist du der Jugend Ehrengast.
Und ob die Gunst dir nicht gelacht hat
Der Lorbeerspender von Beruf,
Wer so viel Menschen froh gemacht hat
Und Licht und Blühen um sich schuf,
Dem reicht - vermag ich's recht zu lesen -
Der liebe Gott die Schöpferhand:
"Du bist ein treuer Knecht gewesen,
Geh ein in meiner Sterne Land!"
Rudolf
Presber . 1868 - 1935
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