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Anna Ritter
Befreiung
. 1. Auflage 1900
Von der Königin "Herzeleid"
Einen Kranz von weißen Narzissen
Und ein weißes, schleppendes Kleid
Trägt die Königin Herzeleid. -
Sie kommt aus schweigenden Gärten her,
Da schimmern die Rosen wie Blut,
Da fließt im Grase der Thränenbach,
Der weiß eine alte Mär:
Von der Hoffnung, die mitten im Spiel
In böse Träume verfiel,
Und Keiner bekommt sie wach ...
Von Blumen, die immer im Schatten gestanden,
Von Seelen, die nie eine Heimath fanden,
Und von einem hölzernen Schrein,
Darinnen die selige Liebe ruht. -
Der Bach, der wandert tagaus, tagein,
Trägt tausend Wellen ins Meer hinein
Und wird doch niemals leer.
Und die Königin lächelt so schwer ...
O du holdselige Königin,
Meine arme Seele geb' ich dir hin -
Meine Seele friert so sehr!
Drei weiße Lilien stecke mir an,
Damit ich der Sonne vergessen kann,
Drei Lilien, wie über den Gräbern stehn -
Dann friere ich nimmermehr!
Anna
Ritter . 1865 - 1921
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