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162 Bücher



Gottfried August Bürger
Gedichte . 1789



Das Mädel das ich meine

O was in tausend Liebespracht
Das Mädel, das ich meine, lacht!
Nun sing', o Lied, und sag mir an!
Wer hat das Wunder aufgethan:
Daß so in tausend Liebespracht
Das Mädel, das ich meine, lacht?

Wer hat, wie Paradieseswelt,
Des Mädels blaues Aug' erhellt? -
Der liebe Gott! der hat's gethan,
Der's Firmament erleuchten kann;
Der hat, wie Paradieseswelt,
Des Mädels blaues Aug' erhellt.

Wer hat das Roth auf Weiß gemahlt,
Das von des Mädels Wange strahlt? -
Der liebe Gott! der hat's gethan,
Der Pfirsichblüthe mahlen kann;
Der hat das Roth auf Weiß gemahlt,
Das von des Mädels Wange strahlt.

Wer schuf des Mädels Purpurmund
So würzig, süß, und lieb und rund? -
Der liebe Gott! der hat's gethan,
Der Nelk' und Erdbeer' würzen kann;
Der schuf des Mädels Purpurmund
So würzig, süß, und lieb und rund.

Wer ließ vom Nacken, blond und schön,
Des Mädels seidne Locken wehn? -
Der liebe Gott! der gute Geist!
Der goldne Saaten reifen heißt;
Der ließ vom Nacken, blond und schön,
Des Mädels seidne Locken wehn.

Wer gab, zu Liebesred' und Sang,
Dem Mädel holder Stimme Klang? -
Der liebe, liebe Gott that dieß,
Der Nachtigallen flöten hieß;
Der gab, zu Liebesred' und Sang,
Dem Mädel holder Stimme Klang.

Wer hat, zur Fülle süßer Lust,
Gewölbt des Mädels weiße Brust? -
Der liebe Gott hat's auch gethan,
Der stolz die Schwäne kleiden kann;
Der hat, zur Fülle süßer Lust,
Gewölbt des Mädels weiße Brust.

Durch welches Bildners Hände ward,
Des Mädels Wuchs so schlank und zart? -
Das hat die Meisterhand gethan,
Die alle Schönheit bilden kann;
Durch Gott, den höchsten Bildner, ward
Des Mädels Wuchs so schlank und zart.

Wer blies, so lichthell, schön und rein,
Die fromme Seel' dem Mädel ein? -
Wer anders hat's als er gethan,
Der Seraphim erschaffen kann;
Der blies so lichthell, schön und rein
Die Engelseel' dem Mädel ein. -

Lob sey, o Bildner, deiner Kunst!
Und hoher Dank für deine Gunst!
Daß du dein Abbild ausstaffirt,
Mit allem, was die Schöpfung ziert.
Lob sey, o Bildner, deiner Kunst!
Und hoher Dank für deine Gunst!

Doch ach! für wen auf Erden lacht
Das Mädel so in Liebespracht? -
O Gott! bey deinem Sonnenschein!
Bald möcht' ich nie gebohren seyn,
Wenn nie in solcher Liebespracht
Das Mädel mir auf Erden lacht.


  Gottfried August Bürger . 1747 - 1794






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