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Gedichte, Lyrik, Poesie

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Franz Grillparzer
Gedichte . 1872



Die lyrische Dichterin

Wenn dich die Dichtkunst schaffen heißt
Und du das Drama wählst,
Wenn dich aufs Epos führt der Geist,
Und du dem Volk erzählst:

Bist kaum du noch als Dichter hier,
Es ist nur was du schufst,
Und jene Geister sind statt dir,
Die zauberhaft du rufst.

Doch wenn die Leier an du klingst
Und tönst von Gram und Lust,
Dann bist du selber, was du singst,
Das Lied ist deine Brust.

Nichts sichtbar als nur du und ich,
Nichts hörbar als nur du,
Das Innre ist allein mit sich,
Kein Mittler tritt hinzu.

Da aber nimm dich nur in acht,
Daß du, du selber seist,
Daß nicht, was du gethan, gedacht,
Als Andern dich erweist.

Sprichst du von tiefem Seelenschmerz,
Und warst ein eitler Thor,
Von ew'ger Dauer für dein Herz,
Ein Wetterhahn zuvor.

Singst du das Lob der Einsamkeit,
Sonst laut im Volksgewühl,
Nennst du die Welt so groß, so weit,
Zu eng für dein Gefühl.

Sie ist ein schlimm'res Schauspielhaus
Als wo man spielt zu Nacht;
Hier lacht man nur den Dichter aus,
Dort wird der Mensch verlacht.


  Franz Grillparzer . 1791 - 1872






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