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Robert Eduard Prutz
Gedichte
. 3. Auflage 1847
Einem ältern Freunde
1835.
Es liebt der Mensch in seiner Jugend Tagen,
Frei, wie der Vogel in der Luft zu sein;
Des Hauses Friede will ihm nicht behagen,
Weit in die Welt zieht's mächtig ihn hinein,
Zu kämpfen dort, zu ringen und zu wagen,
In Lieb' und Leid, in Hoffnung und in Pein,
Ach, und er glaubt, durch sein verwegnes Ringen
Aus ihrem Gleis die Erde selbst zu zwingen.
Doch willig fügt der Mann sich in die Schranken,
Die festbestimmten, seiner strengen Pflicht;
Sein Herz verlockt zu ungestümem Schwanken
Nicht Jugendwahn und Jugendglaube nicht;
Er schaut die Welt mit prüfenden Gedanken,
Ihm hat die That, die ernste, nur Gewicht:
An Weib und Kind, an Haus und Staat gebunden,
Hat im Begrenzten er sein Glück gefunden.
Nicht feindlich sei der Mann dem Jugendstreben,
Dem Manne nicht des Jünglings rascher Muth!
Es soll der Mann die Seele neu beleben
Am schönen Abglanz jugendlicher Gluth;
Es soll der Jüngling seine Kraft erheben,
Dem Manne gleich zu werden ernst und gut -
So haben wir seit Langem es gehalten:
Reich' mir die Hand und bleiben wir die Alten!
Robert
Eduard Prutz . 1816 - 1872
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