Stefan George
Der
Teppich des Lebens . 4. Auflage 1908
Die Fremde
Sie kam allein aus fernen gauen
Ihr haus umging das VOLK mit grauen
Sie sort und buk und sagte wahr
Sie sang im mond mit offenem haar.
Am kirchtag trug sie bunten staat
Damit sie oft zur luke trat..
Dann ward ihr lächeln süss und herb
Gatten und brüdern zum verderb.
Und übers jahr als sie im dunkel
Einst attich suchte und ranunkel
Da sah man wie sie sank im torf -
Und andere schwuren dass vorm dorf
Sie auf dem mitten weg verschwand..
Sie liess das knäblein nur als pfand
So schwarz wie nacht so bleich wie lein
Das sie gebar im hornungschein.
Stefan
George . 1868 - 1933
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