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Hugo Salus
Gedichte
. 1. Auflage 1898
Abend auf dem Meere
Wenn im letzten Sonnenstrahle
Hell das Meer in Flammen loht,
Stößt vom gelben Meeresstrande
Unser laubbekränztes Boot;
Die geschwellten Segel knattern,
Drein der Abendwind sich legt,
Der uns aus der weißen Brandung
Auf die weiten Wasser trägt.
Aller Augen leuchten heller,
Und es überfließt der Mund,
Sein verborgenstes Geheimnis
Thut mir der Genosse kund;
Und vom Mast mit heller Stimme
Seemannsgruß hinüberdringt,
Wenn von andern frohen Booten
Weißer Tücher Grüßen winkt.
Nun versinkt die glüh'nde Sonne,
Und es rauscht empor das Meer,
Graue Nebelschleier wallen
Feierlich vom Westen her.
Fern in unermeßnen Weiten
Tauchen rote Wolken ein,
Auf die dunkeln Wasser gießt sich
Breiter, weißer Mondesschein.
Eine unergründlich tiefe,
Heilige Ruhe senkt sich sacht
Nieder. Ihren Sternenmantel
Breitet aus die stille Nacht:
Längst verstummten Sang und Rede
Und die Seele schweigt und ruht;
Nur die weißen Wellen murmeln
Träumend auf der dunklen Flut.
Hugo
Salus . 1866 - 1929
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