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Hugo Salus
Gedichte
. 1. Auflage 1898
Die Festung
Auf den alten Festungswällen
Lieb ich's sehr, mich zu ergehen
Und von oben in den hellen,
Blauen Frühlingstag zu sehen.
In der Berge grünem Kranze
Liegt das Land zu meinen Füßen,
Draus in hellem Sonnenglanze
Friedlich weiße Dörfer grüßen.
Und der Frieden auf den Saaten
Ist so stark, daß selbst die Massen
Der marschierenden Soldaten
Gut zum bunten Bilde passen.
Auf dem Wall bis zu den Hüften
Reichen mir die blüh'nden Hecken,
Mit berauschend süßen Düften
All' den Pulverdampf zu schrecken.
Die Kanonen starrten finster
In das Land; sie sind verschwunden,
Denn mit Kränzen hat der Ginster
Längst die Drohenden umwunden.
Spinne dich, du alte Feste,
Tief in deine Heldenträume;
Diese Knospen werden Äste,
Diese Sträucher werden Bäume!
Einen Friedensfeldzug sinnen
Gegen dich die Jugendkühnen,
Sie umstellen und umspinnen
Und begraben dich im Grünen!
Hugo
Salus . 1866 - 1929
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