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Hugo Salus
Gedichte
. 1. Auflage 1898
Die jungen Künstler
Ihr Sommernächte, mild und rein,
Ihr Mondesstrahlen, keusch erzitternd
Im silberweißen Birkenhain;
Ihr Blätter, hell wie Seide flitternd!
Der Märchenzauber thut sich auf
Und lockt uns über seine Schwelle:
Wir schwärmen, ein Bacchantenhauf,
Erregt durch die phantastische Helle.
Vom Mondschein trunken, Arm in Arm,
So ziehn wir durch des Haines Hallen,
Das Haupt bekränzt, ein Künstlerschwarm,
Und lassen unser Evoe schallen.
Wir schwärmen in die Nacht hinaus,
Und durch die träumerische Stille
Jauchzt sich in vollen Worten aus
Der jungen Herzen Überfülle.
Wir lagern auf dem Wiesenhang
Zu kurzer Rast; die Augen flammen,
Und unsrer Seelen Schaffensdrang
Schlägt hoch zu einem Brand zusammen.
Gespräche fliegen hin und her
Und, glücklich, fühlen unsre Geister
Des Tags Enttäuschungen nicht mehr,
Und jeder rühmt sich stolz als Meister.
Wunsch ist Ereignis, Sehnsucht That,
Das Wort ist Leben, kaum gesprochen,
Das Samenkorn ist reife Saat:
Die Augen glühn, die Pulse pochen.
Wir springen auf von blumiger Au'
Und schwärmen weiter bis zum Morgen.
Der Mond verblaßt, die Luft wird rauh,
Der Tag erwacht - und Schweiß und Sorgen!
Hugo
Salus . 1866 - 1929
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