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Hugo Salus
Gedichte
. 1. Auflage 1898
Die Teppichklopferinen
Die Mägde klopfen Teppiche im Hofe,
Fünf stramme Mägde aus dem Vorderhaus;
Selbst aus dem ersten Stock die Kammerzofe
Zog heut dazu ihr enges Mieder aus.
Ich hör' die Schläge in mein Zimmer dringen.
Ich seh hinaus: ein freudiges Sommerbild!
Die nackten Arme, die die Stöcke schwingen,
Die roten Wangen, drin das Leben quillt;
Die jungen Brüste unterm dünnen Jäckchen,
Dazu der Himmel blau und farbensatt,
Durchs Laub verteilt, auf allem Sonnenfleckchen:
Ein Stück Natur inmitten dieser Stadt.
Sie fühlen nicht, wie mir beim harten Schalle
Vom Hofe Landluft in die Seele dringt;
Doch horch! Was ist's? Auf einmal singen alle
Ein Lied, wie man's im Dorf beim Dreschen singt!
Hugo
Salus . 1866 - 1929
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