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Hugo Salus
Gedichte
. 1. Auflage 1898
Die wunderreiche Thräne
Dies Kleinod, König, - sprach der Pilgersmann, -
Hab' ich für dich vom heiligen Grab gebracht;
Zehn Sarazenen hielten es bewacht,
Ich schlug sie nieder, eh' ich dir's gewann.
Aus Bergkrystall sieh dir dies Fläschchen an;
Ein Thränlein birgt's, das in der Kreuzesnacht
Der Mutter Gottes aus den Augen sacht
Und dennoch centnerschwer herniederrann.
Ein Wunder ist's, das dieses Fläschchen birgt,
Ein heilig Wunder, nimmer zu verstehn,
Und Wunder sind's, die dieses Thränlein wirkt:
Wenn düster Leid dein Herz in Ketten zwingt,
Durch dieses Thränlein, König, angesehn,
Dünkt es dich klein und jeder Schmerz versinkt.
Hugo
Salus . 1866 - 1929
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