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Hugo Salus
Gedichte
. 1. Auflage 1898
Ewige Treue
Sie starb als Braut, die schmerzerstarrte Hand
Des Liebsten einmal noch zum Munde führend,
Daß ihre Seele auf der Lippen Rand
Die Finger streifte, leise sie berührend.
Und da sie zu des Paradieses Thor
Geflogen kam, die Bäume rauschten leise,
Die heilige Maria trat hervor:
Tritt ein, mein Kind, hier endet deine Reise.
Sie aber schüttelte das bleiche Haupt
Und bat: Vor diesem heilig schönen Garten,
Du Mutter Gottes, sei es mir erlaubt,
Den Liebsten mein in Treuen zu erwarten.
Ich will hier unter diesem Baume stehn
Und, wenn er kommt, ihn an den Händen fassen,
Mit ihm ins selige Leben einzugehn:
Er wird mich nicht zu lange warten lassen.
Hugo
Salus . 1866 - 1929
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