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Hugo Salus
Gedichte
. 1. Auflage 1898
Vor der Schlacht
Blutig im Osten die Wolken erglimmen;
Eh' die Sonne heut versinkt,
Die so siegreich herüberwinkt,
Wird das Feld im Blute schwimmen.
Dort auf dem Bergkamm durch den Nebel,
Der sich schwebend und flatternd erhebt,
Blitzen Läufe und blanke Säbel,
Dran heut Abend Herzblut klebt.
Nun in des Morgens frühester Stunde
Ruft das Horn die Armee zum Gebet,
Und ergriffen, mit bebendem Munde
Lispelt jeder sein Morgengebet.
Unser Pfarrer mit flammenden Worten
Segnet die Mannschaft vor dem Gefecht:
"Gott der Herr ist allerorten,
Aber unsere Sach' ist gerecht!
"Wir, die Gerechten, wir werden siegen,
Und ich segne euch vor der Schlacht.
Gott, der über den Himmeln wacht,
Läßt die Feinde unterliegen!
"Seine Hand hält uns geborgen,
Lobet alle Gott, den Herrn!"
Da, wie er schweigt, aus weiter Fern'
Tönt ein Hornruf durch den Morgen.
Und wir lauschen: vom Feinde weht
Her der Frühwind die zitternden Töne;
Seine gottergebnen Söhne
Ruft der feindliche Pfarr' zum Gebet.
Und mir ist's, als hört' ich klar
Seine Worte: "Wir müssen siegen,
Unsere Sach' ist gerecht und wahr,
Und der Feind wird unterliegen!
"Gottes heller Gnadenstern
Wird ob unsern Häuptern wachen
Und den Feind zu Schanden machen!
Lobet alle Gott, den Herrn!"
Hugo
Salus . 1866 - 1929
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