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Hugo Salus
Reigen
. 1. Auflage 1900
Neue acherontische Sizilianen
I.
Als wir nun niederstiegen an den Strand,
Dran wellenlos die stygischen Wasser rinnen,
Wir saßen nieder in den bleichen Sand
Und zogen fröstelnd enger unsre Linnen;
Wir sehn uns an, vom Zweifel übermannt,
Und können uns doch nimmermehr besinnen:
Soll nun an dieses Strandes schmalem Rand
Das Träumen enden oder erst beginnen?
II.
Wo düstre Schroffen in die Wolken drohn,
Wo sich die Meere in den Styx ergießen,
Sah ich vom Felsen in den Acheron
Noch muntre Bächlein schäumend niederschießen,
Noch kalt vom Quell, dem Dunkel kaum entflohn.
Ein Kindlein spielt im Sand zu meinen Füßen,
Nun sprach es: "Ach, wie schad', wir fahren schon;
Ich möcht' noch zuschaun, wie die Bächlein fließen!"
III.
Der Schatten eines Mönchs war mit im Boot,
Drauf sich nun dicht der stygische Nebel breitet.
Da sprach der Mönch: "Ich starb geweihten Tod
Mir ward am Kreuz das ewige Heil bereitet.
Gieb mir das Steuer, heidnischer Pilot,
Mein Ferge steht bei mir, der mich geleitet."
Sprach Charon, der ihm mild das Steuer bot:
"Dies ist das Boot, das ohne Steuer gleitet ..."
IV.
Vom Bootmast wirft ein Lämplein müden Schein,
Phantastische Lichter und groteske Schatten.
So gleitet unser Boot ins Grau hinein.
Phantastische Lichter und groteske Schatten
Erinnern uns an das entschwundne Sein,
Phantastische Lichter und groteske Schatten.
Ins ewige Dunkel folgen uns allein
Phantastische Lichter und groteske Schatten ....
Hugo
Salus . 1866 - 1929
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