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Max Dauthendey
Weltspuk
. 1. Auflage 1910
Der Wald fällt ein
Den Waldweg decken Holzblätter, die braunen;
Herbstsonne scheint blau in die Nebeldaunen.
Jede Buche brennt gelb wie ein Leuchter zur Schau,
Und sie blitzen am Mittag noch nächtlich voll Tau.
Das Walddach zeigt rote und blaugelbe Ritzen,
Als ob scheckige Vögel im Astwerk sitzen.
Und manchmal, da regt es sich dunkel am Dach,
Und Du siehst einem handgroßen Schatten nach;
Weißt nicht, war's ein Vogel, oder war es ein Blatt,
Das sich in die Nebel verloren hat;
Du fühlst nur inmitten im messingnen Laub,
Fällt Lautloses auf Dich wie Steine so taub.
Und die blaue Sonne auf nebelnden Wegen,
Die darf sich kaum mehr an ein Blatt anlegen.
Der Wald wurde schattenlos, hell ein Raum,
Als steckt jetzt statt Laub klares Glaswerk am Baum.
Beim leisesten Blick schon das Glas zerbricht,
Der Wald fällt ein vor Deinem Gesicht. -
Mal auch Dein Herz wie Glas sich fühlt,
Dein Herz, das sich am Wald einst gekühlt,
Und es wird wie ein Blatt zerbrechlich ermatten,
War ein Singvogel einst und wird ein Schatten.
Max
Dauthendey . 1867 - 1918
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